Geschichte der Salzgewinnung in Bad Orb

Das Bad Orber Gradierwerk ist Bestandteil der ehemaligen Orber Saline. Es ist das letzte erhaltene von ehemals zehn seiner Art, die es in der Stadt gab. Darüberhinaus gilt es als besterhaltenes „doppelwandiges“ Gradierwerk in der Welt und wurde bereits 1991 als „erhaltenswertes Industriedenkmal“ anerkannt. Von 2000 bis 2015 wurde es in fünf Bauabschnitten saniert. Die Gesamtbaukosten betrugen 3.000.000 €, davon hat unser Verein ein Drittel mit privaten Spendengeldern aufbringen können.

Auf dem Gebiet des heutigen Bad Orber Ortskerns findet bereits ab ca. 700 vor Christus Salzgewinnung mittels Verdunstungskästen und großer Sudpfannen statt. Diese frühe Methode der Salzgewinnung erforderte große Mengen von Brennholz: Die Orber Rohsole hat einen Salzgehalt von maximal 5%. Um die Salzgewinnung durch Sieden wirtschaftlich zu machen, ist jedoch eine Salzkonzentration von mindestens 18% erforderlich. Ansonsten wäre der Brennstoffbedarf für den Siedeprozess zu hoch.

Ab dem 17. Jahrhundert wird die Salzgewinnung außerhalb des Ortskerns (auf das heutige Parkgelände) verlagert. Der Prozess der Sole wird umgestellt auf sogenannte Strohgießhäuser. 1602 gibt es in der Stadt sechs Gradierwerke.

Von 1730 bis 1780 erhöht sich die Anzahl der Gradierwerke von sieben auf zwölf, die Jahresproduktion steigt dabei auf bis zu 2000 Tonnen Salz, die mit etwa 360 Arbeitskräften gewonnen wurden. Im Laufe des 18. Jahrhunderts werden alle Gradierwerke auf die Nutzung von Schwarzdornreisig umgestellt, das Material, welches auch heute im noch erhaltenen Gradierwerk Nr. 10 in Benutzung ist.

Die Gradierwerke übernehmen in der Salzgewinnung zwei wichtige Aufgaben: zum einen wird die Sole durch Verdunstung des Wasseranteils während des Herabtropfens am Schwarzdornreisig stärker konzentriert, zum anderen werden auch Verunreinigungen und unerwünschte Bestandteile der Sole wie zum Beispiel Kalk, Gips und Ton aus der Flüssigkeit gefiltert. Letztere setzen sich am Schwarzdornreisig ab und werden dort als „Versteinerung“ sichtbar. Diese Ablagerungen machen eine regelmäßige Erneuerung der Reisigpakete erforderlich.

Nach der Einführung von Steinsalz, das in Bergbau gewonnen wird, verliert die Gewinnung von Siedesalz im 19. Jahrhundert an Bedeutung und der Salinenbetrieb in Orb wird eingestellt. Zwischen 1814 und 1866 wird der Wald um Orb, der Ende des 18. Jahrhunderts für die Salzsiederei nahezu vollständig abgeholzt wurde mit Nadelholz wieder aufgeforstet. Bis auf das erhaltene Gradierwerk Nr. 10 und das Gebäude der ehemaligen Salinenverwaltung, in dem heute die Kurverwaltung untergebracht ist, werden alle Konstruktionen der Orber Salzgewinnung abgerissen. Der Apotheker Franz Leopold Koch begründet ab 1837 den Orber Kurbetrieb mit der Nutzung von Sole zu Heilzwecken. 1899 erfolgt der Verkauf der restlichen Salinenanlage an eine Gruppe von Frankfurter Investoren. Um 1900 entsteht ein modernes Heilbad mit Kurhaus, Trinkhalle, Wandelhallen und Kurpark. Seit 1909 ist die Stadt ein staatlich anerkanntes Heilbad und darf sich Bad Orb nennen.

Das Bad Orber Gradierwerk

Das Bad Orber Wahrzeichen, das Gradierwerk Nr. 10, stammt aus dem Jahr 1806. Durch seine doppelwandige Ausführung gilt das Gradierwerk als windunempfindlich und ist heute optimal zur Inhalation geeignet, wie es zur Behandlung von Atemwegserkrankungen mit Salz- und Mineralreicher Luft empfohlen wird. Die Anwesenheit von Aerosolen (Salzwasser und mineralische Schwebeteilchen) in der Luft ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Die Konstruktion hat eine Gesamtlänge von 156 m, eine Breite von 12,3 m und ist 18,7 m hoch. Die Verteilung der Sole erfolgt über den sogenannten „Hahnenkasten“ mit nahezu 400 Zapfhähnen aus Holz in 13 m Höhe. Damit die konzentrierte Sole nicht durch Regenwasser verdünnt wird wurde das Gradierwerk schon beim Bau mit einem Dach versehen. Heute ermöglicht das Dach einen Besuch der Anlage auch bei schlechtem Wetter.

Der Verschleiß der Holzbauteile durch die ständige „Beregnung“ und der Aufbau der Dornsteine aus Kalkablagerungen ist beträchtlich. Deshalb muss das Schwarzdornreisig alle 15 bis 20 Jahre erneuert werden, und die Anlage braucht stetigen Unterhalt. Für die Finanzierung dieser Arbeiten werden regelmäßig und dauerhaft Spenden benötigt. Bitte lesen Sie dazu auch unseren Spendenaufruf!